Psychose

 

Schizophrenie – gestörte Realtitätswahrnehmung

Schizophrenie bezeichnet eine Gruppe von psychotischen Erkrankungen, welche die Realitätswahrnehmung, das Denken und Fühlen, die Ich-Funktionen und die Psychomotorik beeinträchtigen können. In Europa sind etwa 0,5% bis 1% der Bevölkerung von dieser Krankheit betroffen. Das Wort Schizophrenie stammt aus dem Griechischen und die Wortteile können mit „abspalten“ und „Geist“ beziehungsweise „Seele“ übersetzt werden. 

 

 

Schizophrenie: Der Schatten einer Frau.

Schizophrenie hat vielfältige Ausprägungen und Symptome

Je nach Unterform der Erkrankung, aber auch in Abhängigkeit von der Persönlichkeit des Betroffenen, kann sich Schizophrenie durch verschiedenste Symptome äußern. Häufig treten Konzentrationsprobleme und inhaltliche Denkfehler auf. Den Patienten fällt es schwer, logische Gedankengänge korrekt zu Ende zu führen. Eine subjektive Reizüberflutung und die Überlagerung des Gedachten durch neue Gedanken verhindern das Abschließen eines Gedankenprozesses. Dies schlägt sich auch in Form einer gestörten Ausdrucksweise und eines nicht klar strukturierten, zusammenhanglosen Sprechverhaltens nieder. Darüber hinaus verändert sich bei den Patienten die Wahrnehmung und eigene Gedanken werden oftmals als fremd empfunden (Ich-Störung). Viele Betroffene haben entweder das Gefühl, dass ihre Gedanken von außen mitgehört werden oder von außen kontrolliert und eingegeben werden. Daher werden eigene Gedankengänge mitunter auch als fremde Stimmen wahrgenommen und tragen zu halluzinogenen Wahrnehmungen bei. Wahnideen gehören häufig zur Symptomatik der Schizophrenie und wirken meist unheimlich oder bedrohlich. In der Regel werden die Halluzinationen akustisch wahrgenommen, manchmal jedoch auch auf anderen Sinnesebenen. Häufig leiden die Patienten an Verfolgungswahn. Unlogische oder gegen die Naturgesetze verstoßende Ideen erscheinen den Betroffenen absolut schlüssig. Da die Mimik anderer Personen oft nicht mehr richtig gedeutet werden kann, kommt es häufig zu Misstrauen gegenüber dem sozialen Umfeld. Darüber hinaus äußert sich Schizophrenie oftmals in allgemeiner Antriebs- und Motivationslosigkeit sowie in depressiven Symptomen. Aufgrund mangelnder Triebkraft kann es zur Verwahrlosung der Patienten kommen. Soziale Kontakte leiden unter Änderungen in der Stimmungslage der Erkrankten und werden weitgehend eingeschränkt. Gefühlsregungen sind oft beeinträchtigt, es kommt zur Einschränkung des Wortschatzes sowie der Mimik und Gestik. Auch motorische Störungen zählen zu den Symptomen der Schizophrenie. So können sich eine absolute Reglosigkeit (Stupor) und eine starke Bewegungsunruhe (Agitation) abwechseln. Durch die mentale Anspannung kommt es zu nicht willentlich gesteuerten Bewegungsabläufen und stereotypen Verhaltensweisen.

 

Zu den Subtypen der Schizophrenie gehören:

 

  • Die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie, die sich vor allem durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen äußert.
  • Die hebephrene Schizophrenie, welche hauptsächlich zu Denk- und Gefühlsstörungen, Antriebslosigkeit und Leistungsabfall führt.
  • Die katatone Schizophrenie, die sich in Bewegungsstörungen niederschlägt.
  • Schizophrenia simplex, welche schleichend mit zunehmendem Alter auftritt und sich vor allem durch einen Rückzug aus dem sozialen Umfeld bemerkbar macht.

 

Klar abzugrenzen ist die Schizophrenie von der im allgemeinen Sprachgebrauch häufig gleichgesetzten dissoziativen Identitätsstörung. Diese äußert sich durch die Abspaltung multipler Persönlichkeiten im Patienten.

 

 

Ursachen, Entstehung und Verlauf

Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute nicht komplett geklärt, doch das Auftreten von Schizophrenie wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. So spielt die genetische Veranlagung ebenso eine Rolle wie besondere Lebensereignisse, Stress, Probleme im sozialen Umfeld oder besonderer Leistungsdruck. Auch Drogen wie Kokain, LSD oder Marihuana können Auslöser einer Schizophrenie sein. Darüber hinaus spielen aber auch organische Ursachen, hormonelle Faktoren oder ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Dopamin bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle. Häufig tritt Schizophrenie erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Dabei setzt die Erkrankung oftmals schleichend ein, äußert sich zunächst durch innere Unruhe, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und einen sozialen Rückzug. Während der akuten Phase ist die Wahrnehmung der Patienten verändert, es kommt zu Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen. Diese Phase kann mehrere Wochen andauern. Im Anschluss an die akute Phase können eine Stabilisierung des Zustandes und eine Rückbildung der Symptome auftreten. Häufig sind Patienten jedoch auch von Rückfällen betroffen. Bei 10 bis 30% der Betroffenen entwickelt sich die Schizophrenie zu einer chronischen Erkrankung. Da die Schizophrenie oftmals in einer entscheidenden Lebensphase beginnt und sich darüber hinaus auf das Sozialverhalten, die Leistungsfähigkeit und den Antrieb der Patienten auswirkt, kann die Krankheit schwerwiegende Auswirkungen auf die gesamte Lebensplanung haben.